Stellungnahmen

FDP nimmt Stellung zum aktualisierten ÖV-Konzept der Stadt Rapperswil-Jona 

Vernehmlassung ÖV-Konzept Rapperswil-Jona

 
Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte

 

Anlässlich der letzten Sitzung der IG RUV wurde das aktualisierte ÖV-Konzept ausgehändigt, mit der Einladung, sich dazu bis Mitte Mai vernehmen zu lassen. Wir danken Ihnen für diese Möglichkeit und nehmen zum Konzept wie folgt Stellung:

 

Grundsätzliches

Für eine realitätsnahe Beurteilung des gegenwärtigen wie auch des geplanten Zustandes müssten detailliertere Auswertungen vorliegen. Die Beobachtung des effektiven Betriebes legt die Vermutung nahe, dass die Auslastung der Linien nicht nur im Tagesverlauf, sondern auch im Quervergleich starken Schwankungen unterworfen ist. Aus der Studie ergibt sich nicht, ob dem bestehenden und geplanten Angebot periodisch gemessene resp. erhobene Bedürfnisse gegenüber stehen. Gerade an dem weiter unten besprochenen Beispiel des Industriegebietes Buech sind diesbezüglich gewisse Zweifel angebracht. Wir würden es deshalb sehr begrüssen, wenn im Hinblick auf kommende Investitionsentscheide einerseits Tagesverlauf-Frequenzen und anderseits Resultate von Bedürfniserhebungen zur Verfügung stünden.

Taktfrequenzen

Der anvisierte Ausbau zum Viertelstundentakt und die damit ermöglichte Angleichung an die Bahnfrequenzen sind grundsätzlich zu begrüssen. Nur dies motiviert die Pendler zum Umstieg auf den ÖV. Ob sich diese Taktdichte ausserhalb der Hauptverkehrszeiten punkto Personaleinsatz und damit Kosten wirklich rechtfertigt, kann mangels detaillierter Frequenzzahlen im Tagesverlauf und mangels Kenntnis des primären Kostentreibers „Personaleinsatz“ nicht abschliessend beurteilt werden. Diesbezügliche Zweifel ergeben sich insbesondere bezüglich der neuen Linie 995 Hummelberg und eventuell auch der Lenggis-Linien 994 und 996. (Wirtschaftlichkeitsfragen ergeben sich auch bezüglich der Linie 885 Rapperswil-Rüti im Lichte des Viertelstundentaktes der S-Bahn Linien 5 und 15. Wir nehmen jedoch zustimmend zur Kenntnis, dass diese Linie im Hinblick auf den Fahrplanwechsel Dez. 2010 grundsätzlich überprüft werden soll). Aus Gründen der Sicherheit für die Bevölkerung sprechen wir uns zumindest versuchsweise für die Abnahme der letzten S5 aus.

Erschliessung des Industriegebietes Buech

Dass sich das Konzept nicht zum Gebiet Buech äussert, empfinden wir als Mangel. Mit Ausnahme einiger Busverbindungen zu den Hauptverkehrszeiten ist das Industriegebiet Buech lediglich über die Haltestelle St. Dionys der Linie 622 erschlossen. Diese ist zu weit von den Industriebetrieben entfernt. Nicht erst im Rahmen der Stadtplanung erhält dieses Gebiet als Industrie- und Gewerbestandort eine erhöhte Bedeutung. Die Neuansiedlungen der letzten Monate (Oskar Rüegg, Häny und Enea) bestätigen dies in anschaulicher Weise. Zwar wird von einem direkten Bustrassee Buech-Wagen gesprochen. Ob und in welchem Zeitpunkt dieses realisiert werden soll, ist jedoch noch völlig offen. Aus der Überzeugung heraus, dass hier klarer Handlungsbedarf besteht, laden wir den Stadtrat ein, sich bezüglich Möglichkeit und Notwendigkeit der Erschliessung dieses Gebietes klar zu äussern. Uns stellt sich beispielsweise die Frage, ob es zu den schwachen Frequenzzeiten der Hummelberg-Linie allenfalls nicht angebracht wäre, diese untertags ins Buech statt in den Hummelberg zu führen. Schliesslich sollte auch die Anbindung des Industriegebietes Buech für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Gaster- und Glarnerland über Uznach (via Schmerikon-Bollingen) als Koordinationsaufgabe des Stadtrates Rapperswil-Jona in dieses öV-Konzept einbezogen werden.

Erschliessung der peripheren Lagen

Für die auch 2012 noch nicht erfassten, peripheren Wohn- und Arbeitsgebiete sind entweder in unmittelbarer Nähe der Bahnhöfe oder bei Bushaltestellen, die im Viertelstundentakt bedient werden, ausreichende und günstige Parkplätze zur Verfügung zu stellen, um dem ganzen Gemeindegebiet einen einfachen Zugang zum öffentlichen Verkehrsnetz zu bieten. Alternativ könnte die Einrichtung sogenannter Sammeltaxis geprüft werden. Diese haben sich in östlichen Ländern seit vielen Jahren erfolgreich etabliert. Unter Umständen liesse sich dafür ein Public Private Partnership realisieren, d.h. die öffentliche Hand übernimmt die Kosten der Anschaffung inkl. Steuern und Versicherung der Fahrzeuge und der Betreiber zahlt die Betriebskosten aus den Fahrerlösen.

Kosten des ÖV

In einer kürzlichen Eingabe an das Stadtforum haben wir uns bereits zu den Ticketpreisen innerhalb des Stadtgebietes geäussert. Wir betrachten diese v.a. für Familien als zu hoch und bitten den Stadtrat, das ÖV-Konzept durch eine verschiedene Auslastungsszenarien berücksichtigende Kostenkalkulation auf den einzelnen Fahrgast zu ergänzen und daraus die Rückschlüsse und Empfehlungen hinsichtlich der künftigen Tarifgestaltung zu ziehen.

Wir danken Ihnen für die Berücksichtigung unserer Anliegen und stehen für ergänzende Erläuterungen gerne zur Verfügung.



 

Mit freundlichem Gruss
FDP Rapperswil-Jona

 

Jakob Schäpper